Hypnose, Heilpflanzen, Hormone
Diese drei Themenbereiche bestimmen mein berufliches Leben jetzt seit über sechs Jahren. Die letzten beiden seit mehr als 25 Jahren. Was haben die ersten beiden miteinander gemein?
Nun, von vielen Kolleginnen und Kollegen werden Heilpflanzen oft nicht ernst genommen.
So ein bisschen Grünzeug. Ein paar Blümchen auf der Wiese.
Ich habe jahrelang für verschiedene Bildungsträger und auf dem FOKO, dem jährlichen Gynäkologenkongress, Workshops über Heilpflanzen gehalten. Meistens habe ich mit einem Ratespiel begonnen: verschiedene Pflanzen, die die Blaupause waren für allopathische, also sogenannte schulmedizinische Medikamente, ohne dass die Kolleginnen und Kollegen dieses wussten. Kreislauf, Schmerzmedizin, Allergien, wie oft ist die Blaupause die Natur?
Und in manchen Fällen, wie beim Digitalis, ist es ganz hervorragend, dass wir die herzstärkenden Medikamente heute in standardisierter Dosierung, also schulmedizinisch, als Einzelwirkstoffe haben. Damit kommen Vergiftungen eigentlich nur noch als Unfall vor.
Oder wie es eine 83-jährige Dame vor Jahren in der Ambulanz des Krankenhauses Preetz einmal sagte: „Frau Doktor, von den Tabletten fürs Herz war eine Sorte alle. Da habe ich von den anderen mehr genommen.“ Ups!
Ruhepuls 46. Alles sah so schön gelb aus. Die alte Dame war verwirrt. Und die Schwiegertochter, die sie brachte, sagte: „Oma war gestern noch wirklich sehr klar im Oberstübchen.“
Die Entwässerungstabletten waren ausgegangen. Sie hatte es nicht zum Hausarzt geschafft. Und die Digitalis-Tabletten stattdessen mehr zu nehmen, war keine gute Idee. Bei manchen Dingen ist es gut, die pflanzliche Blaupause in die allopathische Medizin herüberzuziehen.
Pflanzen haben Wirkstoffe. Wirkstoffe, die wir erforschen können. Die wir isolieren können. Die wir standardisieren können.
Das ist viel mehr als ein bisschen Grünzeug. Viel mehr als Volksmedizin.
Ähnliches geschieht mit der Hypnose.
Die wird oft als Scharlatanerie, Bühnenzauber oder Hollywood-Show verlacht und verkannt.
Nein! Medizinische Hypnose ist eine wissenschaftliche Disziplin. Es gibt strukturierte Verfahren. Reproduzierbare Ansätze. Klinische Erfahrung. Studien.
Hypnose kann und soll nicht alle Erkrankungen wegzaubern. Das ist nicht ihr Sinn.
Aber wenn mir eine Endometriose-Patientin nach zwei, drei Sitzungen erzählt, dass sie während der Menstruation nur noch ein Drittel der Schmerzmedikation braucht, dass sie NSAR vom Magen her nicht gut vertragen hat, dass ihre Fatigue sich deutlich gebessert hat, dann ist das wichtig.
Früher habe sie nach der Arbeit häufig anderthalb bis zwei Stunden gelegen und sich dann mühevoll aufgerafft, den Haushalt zu machen. Jetzt sei sie oft nach einer halben Stunde wieder so fit, dass sie einiges erledigen könne.
Das klingt vielleicht nicht phänomenal. Aber für jemanden mit einer chronischen Erkrankung, die völlig ermattet jeden Tag über eine Stunde auf dem Sofa liegt und gerne ihre Wohnung in Ordnung hätte, kann das ein unglaublicher Zuwachs an Lebensqualität sein.
Heilpflanzen und Hypnose, oft genug werden beide verlacht. Für mich sind es zwei wunderbare Therapieformen, die sich ergänzen. Aber bitte immer auf dem Boden solider, guter Medizin. Und wenn wir in der Frauenheilkunde arbeiten, auch auf dem Boden von Wissen über Hormone.
Aus der GynHypno-Werkstatt
Im Herbst startet die neue Phytotherapie-Reihe in der GynHypno-Akademie: Grundlagen der Phytotherapie, Kinderwunsch, Schwangerschaft/Geburt und Wechseljahre. Nicht als Kräuterromantik, sondern als medizinisches Werkzeug für Kolleginnen, die Frauen in der Praxis differenziert begleiten wollen.
Hier geht es zum Basiskurs Phytotherapie in der Frauenheilkunde, Theorie verbunden mit vielen praktisch erprobten Teerezepturen aus meiner Praxis